Das Rennen
Los geht's. Ausgangslage eindeutig: Der Lahmopard hat diesen „Ich bin das Problem für deine Hoffnung“-Vibe. Lässige, laaaaaange (oder laaaaangsame?) Sprünge, als hätte jemand bei Netverflixt das Abspieltempo runter- statt hochgelevelt. Die Rennassel dagegen: bescheiden, konstant, fokussiert – läuft wie ein Abiturient, der wenigstens weiß, wann die Klausur ist. Keine Tränen, kein Zickenkrieg, kein Staffel-Finale – einfach durchziehen.
Und jetzt wird’s fies, weil´s physikalisch wird:
Der Lahmopard kann die Rennassel nicht einfach magisch einholen - Physik ist sorry: far away from magic. Er muss zuerst dorthin, wo die Rennassel gerade war. Am Anfang ist das ihre Startposition – nur eben mit 1000 Assel-Schritten Vorsprung. Also rennt er los und erreicht nach einer bestimmten Zeit (t1) genau diese Stelle. Check.
Aber während der Lahmopard heldenhaft diese Strecke zurücklegt, macht die Rennassel natürlich nicht den Fehler, auf ihn zu warten. In derselben Zeit (t1) pusht sie sich weiter nach vorne. Nicht riesig, aber eben messbar. Ergebnis: In dem Moment, in dem der Lahmopard triumphierend die „aufgeholte“ Position erreicht, steht die Rennassel schon an einer neuen Position. Der Abstand ist kleiner geworden – aber er ist halt nicht weg. (Wie beim Lernen, wenn man denkt: "Hab alles verstanden“ und dann merkt: "Fck, war nur die Einleitung".)
Also nimmt der Lahmopard die neue Position ins Visier. Er rennt dorthin, braucht dafür eine weitere Zeit (t2), kommt an – und zack: Während er unterwegs war, ist die Rennassel in der Zeit (t2) schon wieder ein Stück weitergelaufen. Wieder: Abstand kleiner. Aaaaber wieder: nicht null.
Das wiederholt sich, wie die Momente, in denen man denkt: "Ich fang gleich an!" – und sich dabei sehr glaubwürdig findet:
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Schritt 1: Lahmopard erreicht die erste Rennassel-Position (nach t1).
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Schritt 2: Lahmopard erreicht die zweite Rennassel-Position (nach t2).
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Schritt 3: Lahmopard erreicht die dritte Rennassel-Position (nach t3).
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... Repeat-Loop.
Da kommt der Teil, der sich wie ein kleiner Systemfehler im Universum anfühlt, aber komplett logisch ist: Während sich der Lahmopard zur Position der Rennassel katapuuuultiiiiieeeeert, asselt die Rennassel in genau derselben Zeit ein kleines Stück weiter. Nicht dramatisch, nicht „plötzlich weit weg“, sondern nur ein kleines Stück. Aber dieses kleine Stück reicht, um die eingepreiste Überlegenheit zu kippen: In dem Moment, in dem der Lahmopard seine Zielmarke erreicht, ist die Rennassel schon weiter.
Hier ist nichts falsches dabei! Es ist einfach die brutale Konsequenz daraus, dass die Rennassel während des Aufholens weiterläuft – und der Lahmopard definitionsgemäß immer nur eine Position einholen kann, die in dem Moment, wo er sie erreicht, schon nicht mehr die aktuelle ist. Ab da ist das Ganze praktisch ein Loop: immer näher, immer knapper, aber nie exakt gleichzeitig am selben Ort. (An dieser Stelle Mathe-Konsultation zu Infinitesimalrechnung aushandeln!)
Dadurch bekommt das Rennen einen seltsamen Charakter: Der Lahmopard wird in jedem Schritt näher dran sein als vorher. Er kann den Abstand immer weiter reduzieren, immer wieder halbieren, immer wieder „fast“ da sein – aber sobald er an der anvisierten Stelle ankommt, ist die Rennassel eben schon wieder (minimal, infinitesimal?) weiter vorn. "Ich bin gleich fertig, ich hab's gleich“ ist also: "Nie im Ziel".
Erste Anzeichen verdichten sich, dass die Physik aber mal so richtig gemein und fies ist.
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